Regulierung ohne (nationale) Grenzen – der SSM-SREP

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04. Juni 2019
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Tobias Sander, Ingo Garczorz

Die Entwicklung des von der Bankenaufsicht initiierten Überprüfungs- und Bewertungsprozesses SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) bleibt dynamisch. Seit 2018 verfolgt die Aufsicht die Harmonisierung der nationalen Methoden auf europäischer Ebene. Infolge dieser Bemühungen beobachten Institute, dass Aufwand und Komplexität weiter ansteigen. Zudem treten strukturelle Schwierigkeiten aufgrund von nationalen Besonderheiten zutage. Dieser Artikel ist eine Momentaufnahme des laufenden SREP-Zyklus aus deutscher Perspektive anhand ausgewählter Beispiele.

Die SREP-Methodik hat in den letzten Jahren mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen. Vor 2016 basierte der nationale SREP auf einem Risikoprofil. Kapitalzuschläge wurden im Fall von Prüfungsfeststellungen individuell festgelegt. In den Jahren 2016 und 2017 wurde die Ableitung von Kapitalzuschlägen aus dem Risikoprofil auf Basis einer von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Bundesbank entwickelten Methodik vereinheitlicht, die sich an Vorgaben der Euro Banking Association (EBA) orientierte. Diese Kapitalzuschläge bestehen aus harter Anforderung (Pillar 2 Requirement – P2R) und Stresspuffer bzw. Eigenmittelzielkennziffer (Pillar 2 Guidance – P2G). Seit 2018 wird ein einheitliches Risikoprofil im Wirkungsgebiet des Single Supervisory Mechanism (SSM) verwendet. Perspektivisch soll auch die Methodik zur Ableitung der Kapitalzuschläge europaweit vereinheitlicht werden.

Stufenweise Einführung

Die europaweite Vereinheitlichung des Aufsichtsprozesses ist ein komplexes Unterfangen, das nicht nur den Instituten, sondern auch den Aufsichtsbehörden großen Aufwand verursacht. Die Behörden verfolgen eine stufenweise Einführung für alle Institute. Im Jahr 2018 wurde die SSM-Methodik erstmals auf alle weniger bedeutenden Institute (Less Significant Institutes – LSI) mit hoher Priorität (HP-LSI) angewendet, während alle übrigen LSI weiterhin nach nationaler Methodik behandelt wurden.

Im Jahr 2019 kommt die SSM-Methodik bei allen HP-LSI sowie weiteren etwa 100 von der Aufsicht ausgewählten Instituten zur Anwendung. Ab 2020 soll die SSM-Methodik für alle deutschen Institute gelten.

Überschneidende Zuständigkeiten

Im Zug der europäischen Vereinheitlichung kommt es zu Überschneidungen zwischen nationalen und europäischen Zuständigkeiten. Dies betrifft sowohl die Methodenkompetenz als auch die Verantwortung für operative Prüfungshandlungen.

Hinsichtlich Methodenkompetenz besteht beispielsweise in Deutschland eine erhebliche Redundanz in Säule 2, die es in den meisten anderen Mitgliedsländern so nicht gibt. Mit ICAAP und ILAAP (Internal Capital / Liquidity Adequacy Assessment Process) wurden Regelwerke für die Säule 2 auf europäischer Ebene geschaffen, die natürlich auch eine inhaltliche Grundlage des SREP darstellen.

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 05/2019. Die Ausgabe ist seit dem 29. Mai 2019 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autoren:
Dr. Tobias Sander
, Senior Manager, Berg Lund & Company.
Dr. Ingo Garczorz
, Senior Partner, Berg Lund & Company.

Bildquelle: iStock.com/CedricBrule